Dienstag, 21. Februar 2012

Die "Hildmann ♥ Moschinski Challenge"

Aus aktuellem Anlass muss ich mal etwas Generelles loswerden:

In meinen vergangenen Posts konnte man ja schonmal "herauslesen" ;), dass ich kein großer Attila Hildmann-Fan bin / war. Ich habe mir im Nachhinein einige Gedanken gemacht, weil ich auf facebook gerade von Moschinski-Fans immer wieder Anfeindungen oder Seitenhiebe gegen Attila Hildmann lese und mich zunehmend unwohler damit fühle. Ich möchte nicht zu den Leuten gehören, die sich gegenseitig fertig machen. Vor allem, weil die Hildmann-Fans mir oft so viel sympatischer, weil toleranter und offener sind. Manchmal komme ich mir vor, wie im vegan.de Forum, wo auch so ekelhaft die Post abgeht, was mich anfangs wirklich sehr sehr sehr abgeschreckt hat, als ich angefangen habe über vegan  nachzudenken.
Dann ist mir natürlich nach dem 10ten Tofutier (ich kann's einfach nicht mehr hören *würg*) auch aufgefallen, dass ich mit meinem Kommentar zu seinem TV-Total-Auftritt ziemlich unfair - oder auch nicht :D - war. Ich fand den Auftritt nämlich ziemlich schlecht. Was ich zwischen den ganzen Lobpreisungen auf seiner Wall am Folgetag einfach mal loswerden musste. Nachdem ich mich ausgekotzt hatte, hab ich noch drunter geschrieben "...wenn du allerdings wegen deines Cholesterins vegan geworden sein solltest hab ich nichts gesagt und es war ein toller Auftritt." - Nach dem 10ten Tofutier wie gesagt ist mir dann aufgefallen *tadaa*, dass er das ganze tatsächlich NUR wegen seines Cholesterins angefangen hat (weil sein Vater gestorben ist. Bla, traurige Homestory, weiter im Text.). Und naja. Wenn das für ihn ein guter Grund war, vegan zu werden, warum nicht für andere? Für mich vielleicht nicht, aber es gibt ja ziemlich viele Menschen. Ein, zwei werden sich da sicherlich finden lassen...
Also: Selbstreflektion. Ich bin ein ziemlich gemeiner, untoleranter Mensch, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, deshalb den ganzen Tag missioniert.
Das ändern wir heute. Und wir fangen mit der "Hildmann ♥ Moschinski Challenge" an. Ab heute werde ich 90 Tage lang beide als Verbündete betrachten und A. Hildmann nicht mehr heimlich als A****. Hildmann denken; in 90 Tagen zu einem besseren, toleranteren Menschen werden. ;D
Wie gesagt, ich habe mir ein paar Gedanken gemacht. Gerade, weil jetzt aktuell wieder großes Gezicke im Gange ist, wegen des VeBu-Votings zum besten Kochbuch des Jahres.
Es geht doch um die Wahl des besten Kochbuchs und nicht des besten Menschen, oder? Und selbst wenn dem so wäre, dann sollten sich einige mal an die eigene Nase fassen, mich inklusive. Oder habt ihr schonmal einen Attila Hildmann-Fan gegen Björn Moschinski wettern hören? Wir sind doch im Grunde alle für die gleiche Sache. Warum müssen wir uns denn gegenseitig angiften? Stattdessen könnten wir uns mal anfangen darüber zu freuen, dass wir zwei Vertreter in den Medien haben, die beide exzellent die Vorteile der veganen Küche und Informationen in deutsche Wohnzimmer transportieren und vegan immer populärer machen. Das sind zwei unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Ansätzen. Der eine zeigt: vegan ist gesund, cool, sexy, der andere: vegan ist besser für Umwelt, Tier und Mensch. Ich finde die beiden ergänzen sich ganz wunderbar, weil sie unterschiedliche Gruppen von Menschen ansprechen - und das ist es doch, was wir wollen, oder nicht? Möglichst viele Menschen ansprechen. Und nicht abschrecken mit unseren Vereinsmeiereien, wer jetzt der beste Veganer ist, denn jeder zieht seine Grenze woanders und jeder entscheidet für sich selbst. Das müssen wir den Menschen zeigen. Dass jeder selber entscheiden kann und von niemandem gedrängt wird, sofort alles radikal zu ändern. Damit schrecken wir die Leute doch nur ab.
In diesem Sinne: Reichen wir uns die Hand und haben uns lieb.


"Jedes Essen zählt" Attila Hildmann
"Ziel sollte immer der Veganismus sein." Björn Moschinski
Warum sollte das eine das andere ausschließen?

Kommentare:

Mary hat gesagt…

Im Grunde finde ich deine Idee echt gut, aber ich würd gern meinen Senf dazu ablassen. :-) Björn lebt den Veganismus und das ist es, was meiner Meinung nach zählt. Er setzt sich für die vegane Szene ein und steht 100% hinter dem, was er tut. Und genau das ist es, was mir im Gegenzu an Attila wirklich wahnsinnig unsympathisch ist, nämlich die Art, wie er mit der veganen Szene umspringt. Auf Facebook hat er bereits einige Sachen gepostet, die ich schon als Anfeindungen sehe. Ich glaube, davon kommt auch viel der negativen Stimmung der Leute ihm gegenüber. Und leider bringt es zwar etwas, wenn man sich vegan ernährt. Wenn man dann aber Lederprodukte verwendet etc. verschwindet die Message und im Endeffekt würden die Tiere weiterhin sinnlos sterben.
Soll heißen: Ich hab kein Problem mit Attila, aber sympathisch ist er mir nicht. Vor allem wird nicht jeder, nur weil er Veganer wird, dünn werden.

Hasenfuß hat gesagt…

Nobody is perfect :/ Attila ist ein vergleichsweise junger Koch und ich finde man merkt ihm seine Unsicherheit oft an (daher rühren auch die lahmen Tofutierchenwitze). Nobody is perfect. An seinen Rezepten hab ich jedenfalls nichts auszusetzen und heiraten muss ich ihn auch nicht. Aber ich find es nicht nur ungerecht wie oft auf ihm rumgehackt wird sondern auch kontraproduktiv.

Das klingt so ironisch, wenn du sagst "Reichen wir uns die Hand und haben uns lieb" aber genau das ist es doch, was in der community fehlt: mehr Zusammenhalt. Wenn sich ständig alle gegenseitig runterputzen, nach dem Motto "Du trägst Lederschuhe, bla bla ich bin viel veganer als du", dann ist es klar, dass vegan sein "nach außen" abschreckend wirkt. Hat schließlich keiner Bock sich missionieren oder wegen seinem Lederportemonnaie anblöken zu lassen.

PD hat gesagt…

Kommt z. B. irgend eine politische Partei in der Öffentlichkeit gut an, wenn sie sich öffentlich "zerfleischt"? Nein!

Daher gebe ich Dir aus strategisch/taktischen Gründen recht, was nicht heißt, dass man nicht im kleineren Kreis auch mal über die Stränge schlagen darf ...

Übrigens hast Du einen Schreib- und Flüchtigkeitsfehler übersehen - ChallEnge ;-)

Habibti hat gesagt…

@PD: Danke für die Korrektur!

Ich meinte das "Reichen wir uns die Hand und haben uns lieb" eigentlich nicht ironisch. Das soll nicht heißen, dass ich jetzt jeden mögen muss, nur weil er zufällig vegan ist.
Nur ist es im Reallife so, dass man Menschen, die man nicht gerne mag einfach aus dem Weg geht und nicht hinrennt und ihm erstmal ins Gesicht spuckt. Die Anonymität im Internet lässt einen oftmals den Respekt und die Manieren vergessen, weil es hier noch keine Verhaltensnormen gibt, keinen Knigge. Da ist man schonmal flinker mit nem bösen Wort dabei, als es einem selbst vielleicht bewusst ist, gerade weil man das Zwischenmenschliche, die Betonung, die Körpersprache nicht dazu hat.
Das ist eigentlich ganz fatal, so entstehen Konflikte noch viel schneller und wir müssen uns eben darüber im Klaren sein, dass gerade die vegane Szene sich insbesondere im Internet formiert und repräsentiert. Wenn wir uns dann darstellen wie ein Haufen Irrer, die aufeinander losgehen, machen wir definitiv etwas falsch.

Katja hat gesagt…

Ich finde es auch schade, dass man sich eher gegenseitig zerfleischt oder schlecht redet. Wie schon oben gesagt kämpfen im Grunde beide für eine Sache, wenn auch wohl aus verschiedenen Gründen. Das man sich bemüht das einer aber viel genauer/ besser/ toller ist als der andere nervt eigentlich nur und schreckt ab. Die Energie könnte man sich sparen, es führt zu nichts, spaltet eher noch mehr auf.