Dienstag, 3. Januar 2012

Kann ich Artikel, Bilder oder Videos auf facebook veröffentlichen, ohne "militant" zu wirken?

Kurz: Ich veröffentliche immer mal wieder, bei weitem nicht oft (!) Beiträge ums Thema Veganismus im weiteren Sinne, auf facebook. Unter anderem diesen Artikel, der sich mit dem gesundheitlichen Faktor in puncto Milch beschäftigt (welchen ich mir quasi von Biggi geklaut habe). Und Zack! hatte ich heute meinen ersten Vorwurf, militant zu sein. Beziehungsweise R. hat es ein wenig netter ausgedrückt:

R.: Es ist dir sicherlich auch widerfahren, dass Veganismus viele kontroversen Diskussionen auslöst. Ich habe mir die Frage gestellt, warum das überhaupt so ist. Spontan sind mir folgende Dinge eingefallen:
- Engstirnigkeit (gibt's das Wort überhaupt^^)
- Meinungsverschiedenheit
Ich denke, das sind zwei Punkte, die ich nicht weiter begründen muss.

Ein weiterer Punkt ist mir dann aber doch noch eingefallen oder eher aufgefallen, durch eben diesen Post. Mir scheint es so, als ob Veganer ihren Lebensstil anderen Leuten förmlich aufdrücken möchten (übertrieben formuliert).
Dieser Artikel z.B. stellt nicht die positiven Seiten von Veganismus dar, sondern die vermeintlich schlechten Seiten von herkömmlicher Ernährung!
Das ist meiner Meinung nach der Hauptgrund unsachlicher Diskussionen. Das muss doch wirklich nicht sein...
Was sagst du dazu?

Ich: Naja, ich denke das Bereitstellen von Informationen ist kein Verbrechen. Ebensogut könnten das Artikel über krebserregende Stoffe sein. Nur weil etwas gut schmeckt oder was auch immer muss das nicht bedeuten, dass Chips oder Zigaretten besonders gesundheitsfördernd sind.
Nur dass es bei diesen Artikeln schon landläufig bekannt ist. Bei Milch vertrauen wir ja noch immer auf Werbelügen, wie "die Milch macht's" - nämlich gesund, wegen dem tollen Kalzium - und haben natürlich gleich die glücklichen Landliebekühe vor Augen. Dass es unsachlich ist, zu behaupten, es gebe Missstände in der Massentierhaltung, dass Ei in den Mengen, die heutzutage landläufig verzehrt werden einen großen Faktor für überhöhte Cholesterinwerte darstellt und Milch und Milchprodukte einen sehr hohen Fettanteil haben und damit ebenfalls Wohlstandskrankheiten verursachen, kann ich so nicht sehen.
Ich sehe noch nicht einmal ein, dass es unsachlich ist, zu sagen, dass ich es falsch finde, Tiere zu quälen und zu töten. Das ist eine Meinung. Und ich finde es durchaus legitim, Fakten, die die eigene Meinung untermauern auszusprechen, bzw. in diesem Falle ruhig auch mal auf facebook zu veröffentlichen.
Andere posten lustige videos oder wann sie zur Arbeit fahren und schlafen gehen. Ich denke, soziale Medien dürfen aber durchaus auch für die eigene politische Haltung herhalten. Wen es nicht interessiert, der muss es nicht lesen. Wen es interessiert: umso mehr freue ich mich natürlich darüber.
Ich zwinge niemanden, seine Gewohnheiten umzustellen, oder diktiere was er zu denken hat, noch möchte ich jemandem meine Meinung aufdrücken. Jeder hat seinen eigenen Kopf und sollte ihn auch hin und wieder mal benutzen. Ich möchte niemanden davon überzeugen, Vegetarier zu werden oder gar Veganer. So kriegt man die Leute nicht. Aber zum Nachdenken anregen, das möchte ich. Nur durch eigene Entscheidungen ist man bereit, möglicherweise etwas an sich zu verändern.
Mal abgesehen von all diesen Punkten: Es ist noch niemand Veganer geworden, weil er zufällig von jemandem gehört hat, der das so macht und das wohl anscheinend ganz toll und lecker findet. Man wird vegan, weil man für sich eine Entscheidung trifft, die sich aus vielen komplexen Beweggründen zusammensetzt. Und da gehört nicht nur die Sorge um die lieben Tierchen, oder das schmackhafte vegane Essen dazu, sondern eben auch Klimaschäden, Hunger in der Dritten Welt und last but not least: die eigene Gesundheit. Dass irgendwo Menschen verhungern und jeden Tag vor unserer Haustüre Qualzucht und Massenmord verübt wird ist lange kein Aufreger mehr. Aber wenn es um Globale Erwärmung, Trendhurenthema no. 1 oder den eigenen Kragen geht: da hören die Leute zu. Aber auch nur, wenn man sie mit der Nase drauf stößt.
Mal abgesehen davon würdest du dich wundern, wieviele militante Fleischesser es gibt. Glaub mir, das ist bei weitem angsteinflößender und oft auch nerviger als jeder noch so moralapostolische Veganer. Was auch immerwieder übersehen wird ist, dass solche "unsachlichen Diskussionen" hauptsächlich von Nichtveganern angestoßen werden. Irgendwie ist es ein bisher unerforschtes Phänomen, dass die bloße Anwesenheit eines Vegetariers/Veganers das Umfeld dazu provoziert, einen doofen Spruch abzulassen oder mit ProFleisch-Argumenten eine Diskussion in Gang zu setzen. Wenn man's mal genau betrachtet ist es in dieser Situation doch genau das selbe. Mit meiner "virtuellen Präsenz" hab ich es wieder geschafft eine Reaktion hervorzurufen und jetzt referiere ich hier kilometerlang um mich wieder zu rechtfertigen. Immer das selbe. Ich hör jetzt auf. ^^

Ich bin ernstlich verwirrt. Ich lasse mich doch extra immer hier auf meinem kleinen süßen Blog aus, damit ich nicht für militant gehalten werde. Wer's lesen möchte, der mache es, wer nicht, der lasse es. Ich glaube, es ist nichts dabei, wenn ich ein paar Sachen, die ich für durchaus öffentlichkeitstauglich halte auch präsent mache. Mein Gott, man wird den Leuten doch ein wenig zumuten können? Schließlich lese ich auch immer fleißig, wem gerade langweilig ist, wer gerade aufgestanden und wer eben erst ins Bett gegangen ist oder wer was gegessen hat, ohne mich zu beschweren, sie wären militant und versuchten mir ihre Schlafenszeiten oder Essgewohnheiten aufzudrücken.
Ausserdem bin ich überzeugt, ich brauch mich nicht mehr zu verstecken. Ich kann stolz auf meine Entscheidung sein und auch mal laut meine Meinung sagen.

Kommentare:

Saskia hat gesagt…

Meine Beiträge werden nie kommentiert, dabei poste ich sehr viel mehr, weil ich dieses "Ich habe gerade xy gegessen" lächerlich finde. Ich nutze FB auch, um mit meinen Freunden zu kommunizieren, aber auch, um Informationen auszutauschen. Wer das nicht lesen will, der soll das auch nicht tun. Es ist aber mein gutes Recht (bloße) Informationen bereitzustellen.

Ich finde es aber immer wieder erstaunlich. Sagst du z.B. "Ich lehne Ausländerhass ab!" ist das eine Meinung. Wenn du aber sagst "Ich lehne das Töten von Tieren zur Fleischerzeugung etc. ab!" wird das als Missionierung verstanden. Lächerlich oder?

Ich denke es liegt hauptsächlich daran, weil diese Meinung noch nicht allgemein anerkannt ist und nicht dem Mainstream angehört.

Prinzessin auf der Erbse hat gesagt…

Als ich noch bei Facebook registriert war, habe ich auch ab und an etwas derartiges gepostet.
Einfach, weil ich, sobald ich z.B. ein passendes Zitat lese, es gerne weiterverbreiten möchte um eben wie du sagst, zum Nachdenken anzuregen.
Ich habe sogar viele "gefällt mir" bekommen. Auch von Menschen, die Fleisch essen, aber einfach die Informationen hilfreich fanden.
Also ehrlich, wieso sollte ich sowas nicht tun dürfen? Andere schreiben, wann sie aufs Klo gehen oder posten alle halbe Stunde ihren Standort. Da darf ich doch wohl einmal im Monat etwas über Veganismus schreiben.
Mittlerweile habe ich mich gelöscht. Mich hat es nur noch genervt, dass ich ständig Dinge gelesen habe, die mich nicht interessieren, es aber auch nicht lassen konnte zu stalken.

@ Saskia: Der Vergleich ist prima. Genau das denke ich auch immer. Warum ist das eine Missionierung und das andere nicht?

Mausflaus hat gesagt…

mal unabhängig vom thema militanz ist "zentrum der gesundheit" eine sehr fragwürdige seite, da stehen viele sachen die nicht stimmen; ich halte die nicht für seriös.

ob du "weltverbesserungs-beiträge" posten solltest, hängt davon ab, wie empfänglich deine "freunde" für das thema sind; wenn die eh abblocken, dann würd ichs lassen; wenn sie solche themen aber von dir gewohnt sind, dann why not? ich würd halt aufpassen, dass es nicht in spam ausartet, ab und an ein paar infos sind ok, aber leute, die einen mit sowas überschwemmen nerven mich auch.

Habibti hat gesagt…

@Mausflaus: Das mit "Zentrum der Gesundheit" ist mir leider auch erst im Nachhinein aufgefallen. Aber ich fand den Artikel trotzdem nicht schlecht. Und zu den Spamern auf facebook gehöre ich wohl ganz bestimmt nicht. Gerade deswegen hat es mich ja so gewundert, dass so ein oder auch mal zwei videos oder artikel die woche direkt negativ aufstoßen. =/ Wobei das aber die erste Reaktion überhaupt war.