Dienstag, 31. Januar 2012

Ist Veganismus ein Hobby?

Was mich seit gestern ziemlich beschäftigt ist, dass ein Freund von mir gesagt hat, mein Veganismus wäre wohl auch so eine Art Hobby.
Ich weiß nicht mehr genau, er hat es ein bisschen vorsichtiger ausgedrückt.

Was tatsächlich wahr ist, ist dass ich, bevor ich vegan geworden bin tatsächlich aktiv nach einem Hobby gesucht habe, bzw. nach einem Themengebiet, was mich besonders interessiert. Zum Schluss bin ich dann bei Theater und Ernährung hängen geblieben, was mich beides besonders interessiert hat oder interessiert, habe aber ersteinmal keine Lektüre gefunden, die mich besonders angesprochen hätte. Schließlich wollte ich keine Dramen lesen oder tausendundeine Diät anfangen.
Über mein Interesse für Ernährung und auch, weil ich mich als frisch gebackener Vegetarier etwas mehr mit dem Thema Tiere essen auseinandersetzen wollte bin ich dann irgendwann unweigerlich beim Veganismus angekommen.
Aber was hat das jetzt mit Veganismus als Hobby zu tun? Naja. Ersteinmal kann ich es wirklich nicht abstreiten, dass ich auf der Suche nach einem Hobby oder einem Interessengebiet war, als ich zum Veganismus gekommen bin und zum anderen bin ich seitdem in diesem Punkt ersteinmal ausgefüllt. Ich würde niemals sagen, dass ich nur hobbymäßig vegan bin; das wäre völlig falsch und am Thema vorbeigegriffen. Allerdings ist es bei mir so, dass ich mich in meiner Freizeit viel über Tierrechtsthemen, veganes Essen, tierversuchsfreier Kosmetik, umweltverträgliche Haushaltsmittel, Gesundheit und auch gerne über ökologischen Landbau informiere. Da fließt eine menge Zeit mit ein. Ausserdem führe ich diesen Blog in ziemlicher Regelmäßigkeit. Ich kaufe gerne Gemüse oder Obst, was ich noch nicht kenne, um damit neue Rezepte auszuprobieren, genieße es, ein besonders aufwändiges, leckeres, frisches Essen zu kochen und natürlich essen. Essen, essen, essen.
Ich würde aber auch niemals sagen, dass ich das ganze aus Spaß mache. Ich interessiere mich, informiere mich, handle danach, weil ich den bewussten Umgang, nicht nur mit anderer, sondern auch meinem eigenen Leben schätze. Es macht mir oft in keinster Weise Spaß, das zu lesen, zu sehen oder was auch immer, sondern im Gegenteil. Macht mich wütend, macht mich traurig, macht mich resigniert. Veganismus ist keine Sache, die man mal aus einer Laune heraus macht und dann wieder an den Nagel hängt. Nicht, wenn man es ernst meint zumindest... Es würde ja auch niemand zu einem gläubigen Moslem sagen, das wär aber ein komisches Hobby. Religion und Veganismus sind natürlich auch zwei völlig verschiedene Sachen, aber ich denke, ihr versteht das Beispiel. Das ist eine Überzeugung, eine Lebenseinstellung. Für mich ist es im Moment einfach so, dass ich in der Sache noch Neuling bin und natürlich erstmal alles aufsauge, was mir so in den Weg kommt. Ich bin quasi noch in der Einstiegsphase. Ich glaube kaum, dass ich in 10 Jahren noch diesen Blog schreiben werde oder so viel Zeit in Online-Artikel und -Recherchen stecken werde, sondern einfach mampfen. Oder ich lebe in einem Ökodorf oder habe bei Sea Shepherd angeheuert. Dann ist das wohl auch kaum noch als Hobby zu bezeichnen, oder? :D
Aber im Moment ist es einfach so. Ich habe die Zeit und die Muße. Ich finde es wäre auch eine Schande, wenn jeder, der eine Sache gefunden hat, die ihn interessiert oder ein Talent einfach schleifen lassen würde. Wenn sich heute jeder nur noch für das Programm in der Glotze interessierte.

Okay, ich bin vom Thema irgendwie abgekommen, glaub ich. Also nocheinmal von vorne:
Mein persönlicher Veganismus hat seinen Umweg über die Suche nach einem Hobby gefunden. Ja.
Ich beschäftige mich viel und oft auch gerne mit diesem Thema und dem, was damit zusammenhängt. Ja.
Aber: das MUSS ich auch z.B. um zu wissen, wie bleibe ich gesund, welche Produkte sind vegan, welche neue vegane Produkte gibt es, wo gibt es diese günstig zu kaufen, wie sieht es mit verschiedenen Kosmetikartikeln aus?
Ich denke, es ist am Anfang auch ganz normal, dass man ersteinmal eine gewisse Anfangseuphorie mitbringt und es auch anfangs wirklich unabdingbar ist, sich viel mit dem Thema auseinanderzusetzten, weil wenn man nicht weiß, was man macht und warum man es macht, kann eben schonmal was schief laufen. Und gerade, wenn es um Ernährung über einen langen Zeitraum geht, sollte man doch ziemlich genau wissen, was man tut. Das gilt eigentlich für jeden, egal was er isst, wenn ihr mich fragt.
Also:
Veganismus ist eine lustige Freizeitbeschäftigung - nein.
Veganismus = Hobby - nein.

Kommentare:

DaniSojasahne hat gesagt…

Ich glaube Veganismus an sich ist kein Hobby, aber wenn du den "Lebensstil" auf mehreren Ebenen prktizierst, dich also schon regelmäßig in deiner Freizeit damit auseinandersetzt, dann ist das schon auch (!) so etwas wie ein Hobby. Ich zB lese/schaue/höre viel mehr, als ich bräuchte, um meinen veganen Alltag zu gestalten, oder um über die Runden zu kommen. Insofern sehe ich das schon auch irgendwie als Hobby.

Mausflaus hat gesagt…

veganismus ist eine ganze lebensweise, und viele teilaspekte davon kann man sich zum hobby machen, zb.
- kochen veganer rezepte
- vegane produkte ausprobieren
- shoppen/basteln veganer kleidung/accesoires
- vegan bloggen
- bildung: sich über aktuelle themen, u.a. aus wissenschaft, politik, gesellschaft informieren und darüber diskutieren

man kann auch über andere sachen bloggen, eier kochen, lederstiefel kaufen, sich über mindestlohn aufregen, usw.

aber wenn man vegan ist, dann macht man das eben auf vegane weise, das heißt aber nicht, dass veganismus ein hobby sei. man übt nur seine hobbys vegan aus ;-)

Jane hat gesagt…

Das hat Mausflaus schön zusammengefasst. Und mir gehts grad genauso, ich lese und informiere mich fast ununterbrochen, koche mich durch Rezepte und ordne dann alles in meinem Blog. Es ist noch so vieles neu, neue Ideen, Zusammenhänge erschließen sich.