Dienstag, 17. Januar 2012

Ein fetter Haufen Käse.

Es muss einmal gesagt werden: Wenn einem immer erzählt wird, was es nicht alles in vegan gibt (veganen Joghurt, Käse, verschiedene Milchsorten, Fleischersatz et.), wird immer auch ein Teil Wahrheit ausgelassen: nämlich der, dass wenn man seinen vorveganen Lebensstil beibehalten will man echt tief in den Geldbeutel greifen muss.

Yofu und Sojamilch kosten mind. das doppelte von dem unveganen Produkt, wenn nicht mehr, Käse muss man überhaupt erstmal einen finden, der nicht total schrecklich schmeckt (und für die Experimente ebenfalls jeweils erstmal 3-5€ ausgeben) und die kleinen (sauleckeren) 175g Packungen Bio-Sojaschnitzel im Aldi liegen direkt neben dem toten 250g XXL-Schweineschnitzel und kosten exakt das gleiche: nämlich 1,79€.

Das liegt zum einen daran, dass Milch und Fleisch stark subventioniert werden vom Staat. Und wir sind der Staat: die braven Steuerzahler - also jeder Vegetarier und jeder Veganer zahlt dafür, dass Omnis sich schön diese Berge billigen Massentierhaltungsfleisch und -Milch reinpfeifen können, dafür, dass die Nachfrage auch schön künstlich hoch gehalten wird und die Schlachthäuser und "Farmer" gut Umsatz machen. Allerdings wird  vegane Milch und Fakefleisch nicht subventioniert. Die Mehrwertsteuer für Kuhmilch,  beträgt die für Grundnahrungsmittel angesetzten 7%. Sojamilch, Hafermilch, Dinkelmilch, irgendeine tierleidfreie Milch dagegen sind LUXUSGÜTER und werden deshalb mit den vollen 19% veranschlagt.

Natürlich kauft keiner ne Packung Sojadrink (welches noch das bekannteste vegane Produkt ist), wenn dieses Produkt 100-300% teurer ist. Man kann schon nicht mehr von einer Hemmschwelle sprechen, die es gilt zu überwinden. Niemand, der nicht vegan leben möchte wird je nach einem alternativen Produkt greifen (welches dann in der Regel auch noch mit Vorurteilen und negativen Gefühlen gegenüber "Ökos" und Veganern verbunden ist). Etwas, was den Geschmack versucht nachzuahmen kann ja nie so gut sein, wie das Original.. Wenn das Alternativprodukt wenigstens gleich teuer/günstig wäre,  wie das herkömmliche, wäre die Hemmschwelle geringer, mal etwas anderes auszuprobieren.

Und last but not least: Moralisch und ökologisch motivierte Menschen (und übrigens Laktoseintollerante) werden dafür über den Geldbeutel bestraft.Wir zahlen für die Hälfte das Doppelte. Natürlich sind die Lebensmittelpreise so gering wie noch nie, natürlich konsumiere ich automatisch weniger davon, wenn es mehr kostet und natürlich ist das auch nicht nur schlecht und ja, ich bin davon überzeugt davon, dass wenn es der Preis dafür ist, dass ich keinen Eiter, keine Viren, Krankheitserreger und keine Medikamente in meinen Lebensmitteln haben möchte, werde ich ihn zahlen. Aber ich zahle ihn bestimmt nicht gerne. Es kann nicht sein, dass ein Tierleben weniger wert ist, als ein bisschen zusammengedrücktes Sojaprotein.

Ich spreche mich hier offiziell für eine Soja-/Seitan-/Hafer-/Reis-produkte-Lobby aus! Ich möchte, dass es Preisgleichheit für ALLE gibt und nicht Minderheiten ausklammert. Entweder ALLE zahlen für diese Grundnahrungsmittel 19% oder ALLE zahlen dafür 7% Mehrwertsteuer.  Und ausserdem hätte ich gerne diese Produkte in gleichem Maße vom Steuerzahler subventioniert, wie jeder andere auch. Danke.

Kommentare:

Jane hat gesagt…

Interessanter Zusammenhang. Ich hab zwar auch einen Beitrag über die Kosten am Start (kommt morgen), aber nur von der subjektiven Warte aus. Du hast natürlich völlig Recht, es wäre durchaus hilfreich, würden sinnvolle Produkte auch so stark subevntioniert wie so manch anderes.

Mausflaus hat gesagt…

naja, so ganz stimmt das nicht; bio wird auch stark subventioniert, und die meisten veganen ersatzprodukte sind ja bio.
und sojamilch für 1euro der liter ist jetzt nicht sooo viel mehr, die normale milch kostet glaub ich ca.60cent. ne biomilch 90cent, also da ist die bio-sojamilch nicht weit von weg.
aber ein produkt gibts, was auch omnis gerne kaufen: sojapudding! der von provamel/alnatura im 4er-pack schmeckt nämlich lecker und hat den riesigen vorteil, dass er nicht gekühlt werden muss. kann man also monatelang in der schreibtischschublade im büro aufbewahren.
außerdem: dann kann man halt seinen vorveganen lebensstil nicht beibehalten. der war wahrscheinlich eh nicht so gut. ich hab ziemlich viel milchprodukte gegessen, täglich quark und joghurt. das muss weder vegan noch unvegan sein; ich ess jetzt eher mehr gemüse, das dürfte gesünder sein.

Habibti hat gesagt…

Der Unterschied bei den Subventionen von Bio und Fleisch und Milch (was oft das gleiche ist) ist doch, dass bei Bio der Erzeuger subventioniert wird, im anderen Fall das Produkt. Das heißt bei Bio geht es bei den Subventionen hauptsächlich darum, dass die Biohöfe weitermachen können, bei Fleisch und Milch wird der Preis gestützt. Bei Bioprodukten merkt der Verbraucher dementsprechend wenig bis nichts von den Subventionen im Gegensatz zu den konventionellen Fleisch und Milcherzeugnissen.
Sojamilch für 1€ gibt es, ist geschmacklich aber in den meisten Fällen gar nicht meins (Ausnahme ist da lediglich die Soja-Reismilch von Netto - wo ich aber max 1mal im Monat nur wegen 3 einzelnen Produkten hinfahre). Und ansonsten bezahl ich dann mind. 1,49€ für 1l Sojamilch (oder Dinkel-/ Hafer-/ Reismilch). Und es ging mir ja auch nicht darum, wieviel ich im Endeffekt jetzt wovon esse / trinke oder was gesünder ist, sondern um die Relationen und Unterschiede, die staatlich einmal ausgeheckt wurden und am Ende für mich als Verbraucher eine gewisse Ungerechtigkeit darstellen.

Paulina oder auch: vegane PowerFrau! hat gesagt…

Ich gebe dir vollkommen Recht! Ich würde mir auch wünschen dass die Preise in vielerlei Hinsicht etwas reduziert werden würden! Als Student habe ich im Monat eh nicht viel Geld übrig um mir viel leisten zu können. Seitdem ich veganer bin gebe ich allerdings schon etwas mehr für mein Essen aus. Natürlich mache ich das mit gutem Gewissen! Dennoch ist der Unterschied oft wirklich enorm! Ich habe persönlich auch noch gar keine Sojamilch für 1 EUR gefunden. Vll liegt das daran, dass ich das hier in München einfach nicht finden werde. Die günstigste gab es im Aldi für 1,49 EUR! Aber ich muss dazu sagen, obwohl die Preise wirklich hoch sind und die Auswahl an veganen Lebensmitteln nicht sehr groß ist (abgesehen von all den Online-Shops) so muss ich doch einen positiven Trend erwähnen. Denn bei uns im Rewe oder im Kaufland gibt es endlich Sojajoghurt im Kühlregal. Aber auch erst ab 2012!! Das sagt mir also "Es tut sich was" Ich denke wir müssen einfach noch etwas geduldig sein! Dadurch dass immer mehr Menschen sich dazu entscheiden mehr auf ihr Ess- und Konsumverhalten zu achten haben wir vll auch irgendwann das Glück, dass wir vegane Produkte zum "Nichtveganen"-Preis vorfinden können! Ich hoffe das zumindest!