Samstag, 7. Januar 2012

Versteckte Tierprodukte

Es passiert mir ja immerwieder mal, dass ich im Supermarkt ein Prudukt sehe und denke "Oh lecker, damit könnte ich das und das kochen". Das Produkt würde man normalerweise durchaus für vegan halten, aber ich habe ja gelernt, dass man dem nicht trauen kann. Also drehe ich die Verpackung um und überfliege die Zutatenliste eben (wohl in dem Wissen, dass das kein Garant dafür ist, dass der Artikel auch tatsächlich vegan ist). Ganz oft lege ich es dann wieder zurück, weil irgendein Molkeerzeugnis drin verarbeitet ist und ärgere mich. Noch viel öfter kommt es aber vor, dass ich dann Mono und Diglyceride von Speisefettsäuren lese, welche oftmals dann die einzige Zutat ist, die nicht vegan sein könnte. Und da ärgert es mich dann richtig, weil ich bei diesen Produkten jedesmal doch noch vor die Gewissensfrage gestellt werde. Kaufe ich diesen Artikel jetzt, obwohl er nicht vegan sein KÖNNTE, oder verzichte ich jetzt darauf, obwohl es MÖGLICHERWEISE doch vegan ist.
Einer der vielen Gründe, warum ich Veganerin geworden bin, war unter anderem schiere Gemütlichkeit. Ja, es war für mich ehrlich bequemer komplett vegan zu werden, als ein Vegetarier, der sich nie sicher sein kann, ob in dem Käse auf seiner Pizza jetzt Kälberlab verarbeitet ist oder nicht, und zwar Bioeier kauft, aber bei allen verarbeiteten Produkten in Kauf nehmen muss, dass Eier aus Legebaterien oder Bodenhaltung beinhaltet sind. Aber das Problem ist damit ja nicht vom Tisch. Jetzt vermeide ich offensichtliche unmoralische Produkte, nur um mir versteckt unmoralische Produkte unterjubeln zu lassen.
Es macht mich schier wahnsinnig, jedesmal da zu stehen und möglicherweise eine Entscheidung gegen meine Prinzipien zu fällen. Zu 90% lege ich den Artikel dann weg, nur selten sage ich mir dann "man muss auch mal neune gerade sein lassen". Und kann dann auch damit leben, weil diese doofen Mono und Diglyceride von Speisefettsäuren in der Regel pflanzlichen Ursprungs sind. Also wenn 1 von 10 unvegan ist und ich deswegen 9 wieder zurückstelle und nur eins kaufe, ist die Wahrscheinlichkeit doch maximiert, dass ich ein veganes Produkt kaufe, oder nicht?
Was ich gerade aber bei tierrechtskochbuch.de gefunden habe hat mich noch viel mehr verunsichert, als irgendwelche Diglyceride: Eine Liste, wo nocheinmal aufgeführt ist, wo überall versteckte Tierprodukte drin sein KÖNNTEN. Ich hasse dieses möglicherweise, in der Regel, könnte, kann aber auch nicht, nur in Ausnahmefällen, selten. Warum kann nicht auf jedem Artikel ganz klar gekennzeichnet sein, ob er vegan ist, oder nicht? Oder zumindest einen Buchstaben oder irgendwas hinter diese E-Nummer oder Zutat schreiben, der kennzeichnet, ob es sich um eine Zutat pflanzlichen oder tierlichen Ursprungs handelt. Auch diese Irreführung immer, etwas sei "rein pflanzlich" regt mich maßlos auf.
Aber wer zum Beispiel würde denn davon ausgehen, dass Brot oder Obst nicht vegan sein könnten? Bisher war ich immer der Ansicht, Brot könne ich bedenkenlos kaufen. Wie jetzt das Backblech dafür gefettet wurde ist für mich in die Kategorie "kann Spuren von... enthalten" gefallen. Zucker fand ich bisher auch immer bedenkenlos, weil in Deutschland Zucker schon seit einiger Zeit nicht mehr mit Tierkohle raffiniert wird. Darüber, dass der Zucker in fertigen Lebensmitteln lange nicht aus Deutschland stammen muss, habe ich mir auch noch nie Gedanken gemacht. Ich weiß auch noch nicht, wie ich mit diesen Informationen jetzt umgehen soll. Okay, bei Säften, Weinen und Bieren habe ich ja schon meinen Weg gefunden. Nur Direktsaft (bei dem man sich leider auch nicht immer sicher sein kann..), Weine entweder die, von denen ich weiß, dass sie vegan sind oder wenn ich gerade nicht dran komme Biowein. Bier trinke ich eh mehr als selten und wenn dann deutsches. Neue Antworten für mich muss ich in Sachen Brot, Essig, Aroma, Sauerkraut, Senf, Vitamine und Zucker finden. Es wird einem aber auch nicht gerade das Leben leicht gemacht.

Warum jedes noch so natürliche Lebensmittel voll von tierlichen, vor allem Milch- Produkten ist? Die Antwort ist leichter als man denken würde. In der Regel hat das nämlich nichts damit zu tun, dass es geschmacklich wertvoll wäre oder das Rezept verbessern würde, etwas länger haltbar machte oder was auch immer. Die Antwort ist die: Das sind Abfälle, die bei der Verarbeitung von Fleisch, Milch, Käse, Joghurt etc. entstehen. Und diese zu entsorgen kostet Geld. Da hatten die Hersteller die tolle Idee, diese Abfälle weiterzuverwenden und über den Verbraucher zu entsorgen. Man spart also nicht nur die Entsorgungskosten, sondern macht damit auch noch Kohle. Wenn das mal nicht rentabel ist. So, und das ist der Grund, warum man als Veganer nicht mehr bedenkenlos Sauerkraut essen kann und sich fragen muss, kaufe ich jetzt dieses Ding mit Mono und Diglyceschwachsinn aus werweißwelchen Speisefettsäuren. Die taz hat einen sehr interessanten Artikel über diese Art der Resteverwertung geschrieben.
Einerseits muss man einräumen, dass es natürlich gut ist, weitere Verwendung für Abfallprodukte zu finden, statt noch größere Müllberge anzuhäufen. Andererseits möchte ich nicht als Abfalleimer für die Fleisch- und Milchindustrie herhalten. Heißt das jetzt, dass ich deswegen jetzt mein Korn selber mahlen muss? ;)
Oh mein Gott, die Welt ist verrückt.

Kommentare:

Saskia hat gesagt…

Sowas regt mich auch immer auf. Man wundert sich immer WO alles Tier drin ist.

Bei Brot/Brötchen achte ich allerdings auch nicht wirklich darauf und ganz ehrlich, wenn ich jetzt deswegen laut dem "Maqi Tierrechts Lexikon" als Pseudoveganerin gelte, ist mir das wurscht, ähm seitan. ;-)

Ich vertraue ebenfalls auf Zutatenlisten und starte nicht für jedes Produkt, was ich irgendwann mal kaufen will, eine Anfrage. Die einzige Verarsche, die mir wirklich extrem negativ auffällt ist das mit "rein pflanzlicher Magarine" wo dann Molke etc. drin ist oder dieser "Sojade" Yofu, der Joghurtproteine enthält (woher die wohl kommen?!).

Essig verwende ich nicht, anstelle von Wein bevorzuge ich dt. Bier, aber da ich generell sparsamer mit Alkohol umgehen will, wird das in Zukunft auch hinfällig.

Man kann sich aber auch an Kleinigkeiten aufhängen. Ich habe viele sehr strenge Veganer online schreiben sehen, die jeden als Pseudo oder Vegetarier abspreisen, der bei Brot und Co. nicht alles nachfragt. Ich finde dieses "Wer ist am vegansten" Getue sowas von lächerlich. Mach dir also keinen Stress deswegen. ;-)

Mausflaus hat gesagt…

ich schließe mich v.a. saskias letztem absatz an - man kanns auch echt übertreiben. es gibt veganer (ua. den spinner, der#m das tierrechtskochbuch gehört), deren einziges hobby es zu sein scheint, produktanfragen zu stellen.
bei n paar sachen wie zb klärung mit gelatine, kann man ja einfach nachfragen, aber doch nicht wegen dem zucker! es ist sehr unwahrscheinlich, dass er aus den usa kommt (die zuckerindustrie hier wird stark subventioniert) und noch unwahrscheinlicher, dass er da mit tierkohle raffiniert wurde.
und mit den speisefettsäuren... naja, dann schreib dir halt im supermarkt die sachen auf, die du kaufen wolltest, sie aber zurückgestellt hast, und google sie bzw. guck bei rezeptefuchs / im produktanfrageforum nach ob du sie findest. bei den meisten sachen hat schon irgendejmand ne pa gemacht und im internet veröffentlicht.
und man muss auch alles im verhältniss sehen: die meisten leute fressen täglich fleischberge, hauen sich literweise milch rein und essen dazu noch frühstückseier und joghurt. und da soll ICH dann ein schlechtes gewissen haben, weil ich mir nicht ganz sicher bin, ob die 5. zutat in einer gewürzmischung (also von der 50g packung sind das vielleicht 4g) möglicherweise nicht vegan ist?

Pfeffi hat gesagt…

Da sprichst du ein Thema an, was mich auch des Öfteren bewegt. Zum Beispiel die Speisefettsäuren. Verdammt, warum kann da nicth stehen, welchen Ursprungs sie sind?
Wenn ich explizit weiß, dass ein vegan wirkendes produkt, es doch nicht ist, lasse ich es auch im Rega. Aber für alles immer zuerst eine Produktanfrage zu stellen? Oh je, das ist mir jetzt noch zu viel des Guten. Andererseits mag es nciht ganz konsequent wirken, aber wo hört das dann auf?

Habibti hat gesagt…

Ich möchte nicht radikal wirken, oder sagen, dass ich mich an Kleinigkeiten aufhänge. Aber ich möchte für mich ein gutes Gefühl beim Einkauf haben. Es ist lieb, dass ihr mir sagt, dass ich mit solchen Überlegungen vllt. schon übertreibe und es ein wenig lockerer sehen sollte. Aber für mich geht es überhaupt gar nicht darum, wer am vegansten ist, oder ob in der 10ten Zutat vllt. ein Hundertstel Milch enthalten ist. Ich bin eben immernoch auf der Suche nach meinem konkreten Umgang mit Lebensmitteln. Man darf nicht vergessen, dass ich erst seit November aktiv vegan lebe und noch gar nicht den für mich ordentlichen Umgang mit diesem Thema gefunden haben kann! Ich bin immernoch in der Entdeckerphase und stelle natürlich alles erstmal in Frage. Wie gesagt: ich muss die für mich richtigen Antworten erst finden. Das beinhaltet eben auch über meine Bedenken und Erfahrungen zu berichten und Fragen zu stellen.
Mir jedes Lebensmittel zu merken, das ich wegen dieser Beweggründe nicht gekauft habe ist fast unmöglich, gerade weil es so viele sind.
Und gerade mit meiner letzten Frage wollte ich auch ein bisschen ironisch sagen: ich werde deswegen nicht unbedingt dazu übergehen, meine Gemüsebrühe selber herzustellen (obwohl ich sowas natürlich für wirklich bewunderns- und empfehlenswert halte) und auch den für mich lockereren Umgang mit Lebensmitteln suchen werde. Allerdings muss es auch Akzeptanz finden, wenn ich mich dazu entscheiden sollte, möglicherweise unvegane Zutaten aus meinem Speiseplan zu verbannen. Aber danke, für euer feedback, welches mich wirklich ziemlich beruhigt hat. =) Gute Nacht.

Mausflaus hat gesagt…

hm, es gibt diese app fürs handy, mit der man alle bei rezeptefuchs gelisteten produkte im supermarkt scannen kann: http://www.barcoo.com/blog/2009/08/27/vegane-produkte-bei-barcoo-mit-rezeptefuchs-erkennen/

ansonsten wie gesagt: zettel und stift mitnehmen, produkte aufschreiben und googlen bzw. in den vegandatenbanken gucken. dauert nicht so lange...

ich wollte übrigens nicht sagen, dass du übertreibst; ich mach ja selbst gelegentlich pas bzw. lege auch mal produkte zurück.
man hat schließlich ne große auswahl, es muss ja nicht unbedingt DER aufstrich oder DIE fertigsoße sein. wenn es allerdings ein lieblingsprodukt wäre, würde ich schonmal ein auge zudrücken

Jane hat gesagt…

Es geht beim Veganismus nicht um Perfektion, denn in unserer Welt dürfte dies ohnehin unmöglich sein. Es geht aber schon darum, so vegan wie möglich zu sein. Je mehr man weiß, desto schwieriger wird es - aber man sollte eben Schritt für Schritt vorgehen, Es bringt nix, wenn die Leute irgendwann verzweifeln und komplett rückfällig werden. Es bringt aber schon was, so viel Selbstbewusstsein zu haben, dass man einen Status auch auf längere Zeit halten kann. Denn nur so bewirkt es wirklich was. Keine kurzfristigen Vegan-ist-alles-für-mich-Entscheidungen und dann Rückfälle, sondern nur die persönliche Entscheidung was man über Jahre hinweg hinbekommt. <das ist wirklich wichtig. Man sollte stark genug sein, um das Schritt für Schritt angehen zu können.

Küchenfee hat gesagt…

Zu Beginn habe ich auch jede Zutat 5 mal herumgedreht und mich verrückt gemacht, wenn ein Produkt nicht vegan gewesen sein könnte. Inzwischen bin ich immernoch recht penibel, denke aber dass es um das statement gegenüber anderen und der Industrie geht. Der geringe Anteil tierischen Ursprungs der "eventuell" in nicht per Produktanfrage überprüften Lebensmitteln enthalten ist, fällt niemandem auf als mir selbst. Die Industrie merkt erst, dass ein Verbraucher ausfällt, wenn weitere menschen von der vegnan Lebensweise überzeugt werden und keine tierischen produkte mehr konsummieren. Daher finde ich es viel wichtiger andere durch gutes Essen und Freude am umsichtigen leben zu überzeugen, als meine Energie auf Möglichkeiten zu verwenden, die für andere keinen Unterschied machen.

Ganz liebe Grüße