Samstag, 3. Dezember 2011

Migräne.

Die letzten Wochen habe ich mich so viel und intensiv wie noch nie in meinem Leben mit Ernährung, Lebensmittelindustrie (d.h. Saatgut, Landwirtschaft und "Fleischproduktion"), fair trade, Hunger und Ökologie und daraus resultierend auch mit alternativen Lebensweisen beschäftigt. Das einzige, was ich mir bis gerade erspart habe, waren Schlachthausszenen. Ich bin weißderhimmelwie auf einen link zu einem Artikel gestoßen, in dem eine Veterinär-Studentin von ihrem Schlachthauspraktikum berichtet. Ohne Bilder. Also habe ich angefangen zu lesen, mit dem Hintergedanken, ich könne ja jederzeit aufhören zu lesen. Konnte ich nicht. Konnte ich auch nicht, als ich fast keine Buchstaben mehr entziffern konnte, weil sie vor meinen Augen verschwommen. Noch beim Lesen hat die Migräne eingesetzt.

Und ich frage mich. Wie kann es sein, dass wir das Leben. Diesen Planeten, alles was nur irgend lebt derart mit Füßen treten? Wie kann das sein?
Wir rotten systematisch alte, robuste Pflanzen aus, damit Konzerne ihre genetisch veränderten Hybridsamen, welche keine verwertbaren Tochtergenerationen mehr zu stande bringen können, teuer an sogenannte Drittwelt Länder verkaufen können. Die Bauern werden von den Samen, dem Dünger, den Bewässerungsanlagen der Konzerne abhängig gemacht, können kaum genug Erträge einfahren um ihre eigene Familie zu ernähren. Alle 4 Sekunden bringt sich ein indischer Bauer um! Schonmal drüber nachgedacht, woher die Armut und der Hunger in den "Drittwelt Ländern" kommt? Vor der Kolonialisierung ging es den Leuten gut, konnten ihr Essen selber anbauen und waren unabhänig, frei. Wer also hat sie jetzt zu den "Entwicklunsländern", den "Drittwelt Ländern" gemacht? Also die Pflanzenvielfalt rotten wir systematisch aus, um auf Kosten von anderen Menschen in Wohlstand, saus und braus zu leben. Schön machen wir das.
Dann holzen wir den Regenwald ab, um da Soja anzubauen. Und nicht, weil das Soja da so besonders gut wachsen würde, sondern weil, wie könnte es auch anders sein, die Menschen da billige Arbeitskräfte sind. Das Soja wiederum schippern wir dann wieder um den halben Globus um es unseren in KZ-ähnlichen Zuständen "lebenden" Masttieren mit Medikamenten zu versetzen und verfüttern. Klimatechnisch muss ich nicht erwähnen, was es für uns bedeutet, den Regenwald abzuholzen und das ganze in die Tierproduktion zu stecken, welche Verursacher für rund 50% der Treibhausgase ist. Erderwärmung olé!

Mein Kopf explodiert gleich, mir ist schlecht. Viel zu schlecht.. ich glaube, ich muss mich übergeben.

Über die abartige Massentierhaltung, Viehtransporte und den täglichen millionenfachen Massenmord an intelligenten, fühlenden Lebewesen, alles Individuen, mag ich garnicht schreiben, so schlecht wird mir dabei. Und das wird sogar noch gesellschaftlich akzeptiert, jeden Tag in Auftrag gegeben. "Aber ich esse ja nur wenig Fleisch. Gegen Massentierhaltung habe ich natürlich etwas. Ich möchte, dass das Tier es auch gut gehabt hat." Was ist das? Naivität? Dummheit? Natürlich hatte die Packung Schnitzel für 2,50€ kein schönes Leben und selbst das achsogute BioSchwein wurde bestimmt nicht auf der Wiese totgestreichelt. Selbst wenn es ein tolles Leben hatte, waren die letzten 24 Stunden in seinem Leben Qual und Todesangst.
Und dann diese bescheuerte Doppelmoral dieser Tierfreunde, die Hassbriefe und Emails in die Ukraine schicken und meinen, sie hätten mal wieder ihren Einsatz für das Wohl der Tiere geleistet. Geil. Applaus. Was mit den Hunden in der Ukraine passiert interessiert und schockiert natürlich. Das sind Hunde, die sind süß und das ist in der Ukraine, das ist weit weg und man trägt selber keine Verantwortung. Was hier tagtäglich passiert ist uns egal? Heuchlerisches Pack.

Und ich merke, dass ich mit dem Veganismus alleine nicht zufrieden bin, es nicht sein kann. Es reicht mir nicht, Muffinrezepte auszutauschen, oder wo man unterwegs was leckeres zu essen aufgabeln kann. Dieses Lifestyle-Ding alleine reicht mir nicht. Ich habe über autarke Ökodörfer recherchiert. Ich möchte kein Teil einer solchen Gesellschaft sein. Aber dann in einer Ökodorf-Heilewelt-Blase zu sitzen würde mich wahrscheinlich auch nicht viel glücklicher machen. Weil viel mehr noch, als dass ich kein Teil einer solchen Gesellschaft sein will, will ich, dass sich etwas ändert. Wer wegsieht macht sich genauso strafbar, wie der, der die Straftat begeht. So steht es doch schon in unserem Gesetz, oder? Ich will zumindest irgendwie versuchen, meinen kleinen Beitrag zu leisten. Ich weiß nur noch nicht wie. Ich weiß wirklich nicht, wo ich anfangen soll.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

dein radieschen-hintergrund ist schön, aber leider ist es sehr schwer und anstrengend den grau/weissen text zu lesen...

magacuki hat gesagt…

Ach, das sind Radieschen, ich hab es für Orchideen gehalten :)